Von Robert Bischof und Martina Schuldner (als Gastfahrerin)
Durch unseren Urlaub mit Verspätung kommt nun auch unser kleiner Bericht über das Erlebnis Jeantex Transalp in der Mixed-Wertung.
Dass das Rennen für mich kein Urlaub werden würde, war mir schon im Vorfeld klar. Spätestens Samstag abend im Tourcamp auf der Luftmatratze, als wir unsere Startnummern auf dem Trikot und dem Helm befestigten, kam jedenfalls bei mir wieder Nervosität auf. Was kommt da auf uns zu? Schaffen wir es sieben Tage lang, Leistung zu bringen?
Da wir das zweitälteste Mixed-Team waren, kamen da bei mir gewisse Zweifel auf. Ich nahm mir fest vor, das Rennen nicht zu schnell anzugehen. Als jedoch am ersten Morgen in Oberammergau der Start erfolgte, war das vergessen. Es wurde sofort mitgegangen. So waren wir das erste und einzige Mal bis Kilometer 65 mit der Spitzengruppe dabei. Dann kam allerdings das Hahntennjoch und dieses Feld zerfiel relativ rasch. Mir und Robert wurde rasch klar, dass wir vielleicht das Rennen für meine Verhältnisse etwas zu schnell angegangen waren. Einen eigenen Rhythmus am Berg finden war erstmal angesagt. Kurz vor Sölden war ich ziemlich fertig. Robert mußte sich oft nach mir umsehen, um mich nicht aus seinem Windschatten zu verlieren. Pünktlich in Sölden fing es dort kurze Zeit nach dem Zieleinlauf an zu regnen .... und hörte bis zum nächsten Tag nicht mehr auf. Der zweite Renntag über Timmelsjoch und Jaufen war eine Regen- und Kälteschlacht. Bis 3 km vor Brixen regnete es. In Brixen erwartete uns strahlender Sonnenschein und Wärme. Das tat gut. Weniger gut war die Verpflegung nach dem Zieleinlauf. Nur Äpfel! Wenn man den ganzen Tag von Banane und Gel gelebt hat, baut das nicht wirklich auf.
Apropos Gel. Im Gegensatz zu Robert habe ich vorher nie diese Verpflegungsgels genommen. Im Laufe der Jeantex – Tour wurde ich geradezu abhängig davon. Banane und Gel war das Einzige was bei Anstiegen noch reinging. Im Laufe der nächsten Etappen konnten wir uns etwas weiter nach vorne arbeiten. Nach der Königsetappe und der vorletzten Etappe lagen wir noch auf Platz 26 und hofften vielleicht noch einen Platz gutzumachen. Leider haben wir dann die letzte Etappe verpatzt. Die einzige richtige Flachetappe auf der ganzen Tour und ich hatte nach 2 km einen Platten. Nach dem Reifenflicken war das gesamte Feld und der „Fine Gara“, sprich der letzte Wagen des Feldes schon längst vorbei und der Autoverkehr rollte wieder. Für Robert begann die härteste Etappe der ganzen Tour. 155 Kilometer allein gegen den Wind bei brütender Hitze, ich im Windschatten dahinter. Die Felder und einzelnen Fahrer, die noch aufgerollt wurden, konnten Robert von dieser Arbeit nur kurzzeitig befreien. Wir waren beide am Boden zerstört. Auch für diesen 26. Platz hatten wir eine Woche hart um jede Minute gekämpft und dann das. Aber endlich im Ziel überwog doch die Freude über das Erreichte.
Ein 29. Platz blieb trotz der halben Stunde Rückstand auf die anderen in unserer Reichweite Platzierten noch zu Buche stehen. Wir wissen jetzt, dass der „ Motor“ auch eine Woche am Laufen bleibt, trotzdem man nach den Rennen völlig kaputt war und zumindest ich dachte mehrfach, jetzt erhole ich mich nicht mehr bis zum nächsten Tag. Und es geht doch!
Nicht anfreunden konnten wir uns mit der „Schieberei“ bei den Mixed – Teams. Viele Frauen wurden von ihren Partnern die Berge hinauf geschoben. Aber es ist halt laut Reglement erlaubt, man muß also damit klarkommen. Persönlich besonders gefreut hat mich daher der Furkelpass; obwohl ich eigentlich nicht die Fahrerin für ganz steile Anstiege bin, haben wir da viele Paare wieder zurückgeholt, die uns am Würzjoch abgehängt hatten. Bei 19 Prozent über längere Distanz schiebt niemand mehr. Dem Furkelpass verdanke ich auch meine Massage am Abend und ein paar neue Schuhe. Nachdem ich mich nämlich vor dem Furkelpass ziemlich mies fühlte und Robert gegenüber andeutete, ich würde da heute nicht mehr hochkommen, kam nach den ersten 2 gemeisterten Kilometern die Zusage, mich abends zu massieren, wenn ich so weiter fahre. Nach weiteren 2 Kilometern versprach er mir dann ein neues Paar Sandalen, wenn ich so weiterfahre. Bedanken muß ich mich bei Robert auch dafür, die ganze Zeit bei mir geblieben zu sein, auch wenn ein eigenes Tempo manchmal leichter für ihn gewesen wäre, zumal ich bei einer Dreifachschaltung noch einen Reservegang mehr als er hatte.
Zur Landschaft kann ich leider nicht viel sagen. Ich habe sie manchmal registriert, aber ich konnte sie nicht würdigen, wie sie es verdient hätte. Die gelbe Gießkanne in den Verpflegungszonen, die einem frisches Wasser in die Bidons füllte, war von größerem Interesse für mich. Bei jedem Briefing am Abend, bei dem die Strecke des folgenden Tages besprochen wurde, wies der Rennleiter auf verschiedene besondere landschaftliche Schönheiten hin. Bezeichnend war eine kurze Episode am Furkelpass. Wir überholen mit mageren 8 Stundenkilometern an der Rampe einen anderen Rennfahrer. Robert will mich aufmuntern und sagt: „ Siehst du, nicht nur du leidest, der Rennfahrer da leidet auch.“ Der andere Rennfahrer, der beinahe in den Lenker beißt: „Ich (ächz) leide (ächz) nicht, ich genieße (ächz) die Landschaft“. Da wir nach dem Rennen aber noch 2 Wochen Urlaub in den Alpen verbrachten, konnten wir die Schönheiten bei etwas gemächlicheren Radtouren in die Berge dann doch noch genießen.
Robert ist jedenfalls nach diesem Rennen ganz heiß auf ein weiteres Mal Transalp, ich weiß nicht, ob ich mir das noch mal antuen muß. Wenn man morgens schon weiß, wie man nachmittags aussieht ..... Aber man soll niemals nie sagen. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis. Die Organisation der Tour war sehr gut, einige italienische Sanitäranlagen in den Camps mal ausgeschlossen. Die abschließende Strandparty in Bibione, auf der wir uns einige Radler gönnten, haben wir beide genossen.