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Chronologie eines Radrennens, das Alles in sich hatte Drucken E-Mail
Geschrieben von Joachim Wechner   
Montag, 7. Juli 2008
3. Etappe des CHIBA Alpencup Extreme in der Schweiz
 
Ein Radrennen, bei dem nichts fehlte - ist dies vielleicht die richtige Beschreibung oder ist es schon fast eine Umschreibung eines 7 Stunden und 46 Minuten dauernden Martyriums oder muss Radsport ganz einfach so hart sein, um seinen Helden gerecht zu werden. Eins ist sicher, bei der dritten Etappe zum CHIBA Alpencup Extreme, hat in dessen Drehbuch und der notwendigen Dramatik nichts gefehlt. Es war im Nachhinein ein Radrennen mit Superlativen, ein Radrennen mit grandiosem Abschluss.

Das Rennen in Zahlen:
 
211 Kilometer (letztlich waren es 218km)
3.800 Höhenmeter
4 Alpenpässe (Forcola-, Bernina-, Fluela- und Albulapass)
12 Trinkflaschen, 4 Milchbrötchen, 14 Gels, 4 Bananen, 6 Riegel
 
Joachims persönliches Ziel
 
So insgeheim hatte sich Joachim persönlich vorgenommen, nicht von Annika bei diesem Rennen abgehängt zu werden. Wusste aber auch um ihre Bergfahrerqualitäten, dass es in ihrer derzeitigen Form, nach überstandener Erkältung, die Annika bei den Deutschen Meisterschaften noch stark beeinflusste, schwer sein würde, für ihn als Rolleur an den schweren Bergen zu bestehen.
 
Annikas persönliches Ziel
 
Mit einem Auge auf die Gesamtwertung des CHIBA Alpencups Extreme fahren, deshalb auch taktisch klug und stets wachsam unterwegs sein. Trotzdem aber auch die Option auf einen möglichen Tagessieg nicht verschenken.
 
Chronologie der Ereignisse eines langen, harten Renntages
 
04:30 Uhr
Weckerklingeln - die Nacht war gut - ausgeschlafen huschen Annika und Joachim aus den Betten.
 
05:00 Uhr
Das Frühstück - es will heute so früh am morgen sogar etwas rein - die Stimmung ist gelöst, das Material, die Taktik, die Vorbereitungen generalstabsmäßig abgeschlossen. Das Wetter draußen noch trocken, teilweise sogar blauer Himmel.
 
06:00 Uhr
Kris und Rebecca treffen am Hotel ein. Kris übernimmt die Verpflegungskoordination des langen Renntages. Seine Freundin Rebecca fährt die kurze Distanz.
 
06:45 Uhr
Nur 200m sind es bis in die Startaufstellung. Stresslos geht es in den 1. Block.
 
07:00 Uhr - Kilometer 0
Start bei super Renntemperaturen und trockenem Wetter. 218 km und 3.800 Höhenmeter warten. Noch zeigen unsere ergomo Radcomputer auf allen Anzeigen die Null.
 
08:55 Uhr - Kilometer 50
Annika und Joachim erreichen gemeinsam in einer schnellen Gruppe den Berninapass, 2.328m, kurz vorher wurde schon der Forcolapass, 2.315m, überquert. Kris verpflegt die beiden mit frischen Getränken und Verpflegung. Sofort geht es in die rasante Abfahrt nach Pontresina. Spitzengeschwinidigkeiten von über 90 kmh werden erreicht. Das Wetter ist immer noch gut bei angenehmen Renntemperaturen. Die Gewitterfront ist schon dunkelschwarz in der Nähe zu erkennen.
 
09:50 Uhr - Kilometer 97
Zernez wird erreicht. Ziel der kurzen Distanz. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der vergangenen Rennstunde betrug über 50 kmh. Dadurch war keine Erholung in den Flachpassagen nach Zernez möglich. Annika und Joachim zweigen ab auf die 120 km Schleife der langen Strecke. Nach fast der Hälfte der Renndistanz immer noch trocken und angenehm.
 
11:00 Uhr - Kilometer 116
Nach weiteren 1.000 Höhenmetern erreichen Annika und Joachim den Fluelapass, 2.383m. Es hat begonnen, leicht zu regnen. Markus (Bruder von Katharina Reithmeier) und dessen Freundin Frauke verpflegen die beiden. Es gibt die nächsten vollen Trinkflaschen, Riegel, Gels, Bananen, Milchbrötchen und jetzt auch die Regenjacken. Joachim entscheidet sich für seine Regenweste - ein fataler Fehler. Bereits in der Abfahrt nach Davos beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Die Temperaturen bleiben noch im erträglichen Bereich.
 
12:09 Uhr - Kilometer 164
Alvaneu, das Ende der langen Abfahrt vom Fluelapass ist erreicht, es ist hier unten deutlich wärmer. Der Regen wird zum Gewitter, es blitzt und donnert. Über 20 Kilometer und 1.200 Höhenmeter Anstieg warten auf das noch 6 FahrerIn starke Grüppchen hinauf zum Albulapass, 2.315m. Joachim fühlt sich super - ist bekanntlich ja sein Wetter und übernimmt die Führungsarbeit in dieser Gruppe. Es hört auf zu regnen, zwischenzeitlich kommt kurzzeitig etwas die Sonne. Annika und Joachim entledigen sich ihrer Regenjacken. Ob der Tempoarbeit von Joachim fliegt das Grüppchen auseinander - Annika kann mit Mühe folgen.
 
13:56 Uhr - Kilometer 186
Der Albulapass ist erreicht, das Unwetter hat nun seinen vollen Lauf genommen. Es blitzt, donnert und regnet in ungeahnten Ausmaßen. Eine gefährliche und kalte Abfahrt nach La Punt steht bevor. Die Abfahrt ist kaum fahrbar, die Sicht durch die Gischt nahezu null. Annika und Joachim fahren auf Sicherheit. Der einzige Gegner im Moment ist
das eigene Ich. Die Körper sind ausgezehrt ob der langen und harten Renndistanz, dadurch kann der Kälte nichts mehr entgegengesetzt werden. Die letzten 20 Kilometer werden ein Durchbeisser. Zuweilen kann die Schaltung nicht mehr betätigt werden, zu klamm sind die Finger. Annika und Joachim fahren die Wellen in ein und demselben Gang. Die beiden schlottern derart, dass die Räder unter ihnen flattern. Sie kämpfen sich durch.
 
14:46 Uhr - Kilometer 218
Zieleinlauf in Zernez. Hier kommt die Siegerin des Engadin Radmarathons 2008 schallt es aus dem Lautsprecher.
Ein paar Freudentränen kullern. Kris und Rebecca empfangen die beiden Gladiatoren. Nur Sekunden verharren Annika und Joachim im Zielbereich - Gott sei Dank sind es nur 200m zur heissen Dusche - 200 nicht endend wollende Meter, wie Joachim hinterher feststellt.
 
Ein riesen großen Dank von Annika und Joachim an:
 
Kris - für seinen Verpflegungsdienst am Berninapass
Kris und Rebecca - für die herzliche Begrüßung im Ziel
Markus und Frauke - für die Verpflegungsdienste am Fluelapass
Alle Ordner - für die super Streckenabsicherung
Alle Helfer - für die klasse Verpflegung
Die Organisation - für das tolle Rennen

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 11. Juli 2008 )
 
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